WiFi 6 vs WiFi 5: Durchsatz, OFDMA, Latenz — der technische Vergleich
Inhaltsverzeichnis
- 802.11ac vs 802.11ax — die beiden Standards im Überblick
- Theoretischer und realer Durchsatz: 3,5 vs 9,6 Gbit/s
- OFDMA: die eigentliche Revolution von WiFi 6
- Verbessertes MU-MIMO: von 4 auf 8 Streams
- BSS Coloring und TWT: Interferenzen und Akkulaufzeit
- WiFi 6E und das 6-GHz-Band
- Lohnt sich der Umstieg im Jahr 2026?
- FAQ
Sie haben einen WiFi-5-Router, der "gut funktioniert", aber Ihr Netzwerk wird langsamer, sobald mehrere Geräte gleichzeitig verbunden sind. Ihre 4K-Box ruckelt während der Videokonferenzen, Ihre vernetzten Geräte überlasten den Kanal, Ihr Telefon beschwert sich am Rand des Raums. Das Problem ist nicht unbedingt der Durchsatz — es ist die Architektur.
WiFi 6 (802.11ax) ist nicht einfach WiFi 5 (802.11ac) mit einer höheren Zahl. Es ist eine Änderung der Zugriffsmethode auf den Funkkanal, konzipiert für dichte Netzwerke. Dieser Leitfaden erklärt konkret, was sich ändert, was Sie wirklich gewinnen und wann sich der Umstieg lohnt.
WiFi 6 ist für 100 Geräte in einem Netzwerk konzipiert. WiFi 5 war für 10 konzipiert. Das ist der grundlegende Unterschied.
802.11ac vs 802.11ax — die beiden Standards im Überblick
WiFi 5 (IEEE 802.11ac) erschien 2013 (Wave 1) und dann 2016 (Wave 2). Es arbeitet ausschließlich im 5-GHz-Band und führte MU-MIMO im Download sowie 160-MHz-Kanäle ein. Es ist der Standard, mit dem noch die Mehrheit der französischen Internet-Boxen und der zwischen 2016 und 2021 verkauften Geräte ausgestattet ist.
WiFi 6 (IEEE 802.11ax) wurde 2021 fertiggestellt. Es arbeitet gleichzeitig in den Bändern 2,4 GHz und 5 GHz — WiFi 6E fügt das 6-GHz-Band hinzu. Es ersetzt OFDM durch OFDMA, verbessert MU-MIMO (inklusive Upload) und führt zwei Mechanismen ein, die WiFi 5 fehlen: BSS Coloring und TWT.
| Kriterium | WiFi 5 (802.11ac) | WiFi 6 (802.11ax) |
|---|---|---|
| IEEE-Standard | 802.11ac | 802.11ax |
| Frequenzbänder | Nur 5 GHz | 2,4 GHz + 5 GHz (6E: +6 GHz) |
| Theoretischer max. Durchsatz | 3,5 Gbit/s (Wave 2) | 9,6 Gbit/s |
| Max. Modulation | 256-QAM | 1024-QAM |
| Kanalzugriff | OFDM (ein Gerät zur Zeit) | OFDMA (mehrere Geräte gleichzeitig) |
| MU-MIMO | Nur DL, max. 4 Streams | DL + UL, max. 8 Streams |
| BSS Coloring | Nein | Ja |
| TWT (Energiesparen) | Nein | Ja |
| Spektrale Effizienz | Referenz | ca. +37 % |
| Latenz im dichten Netzwerk | Hoch unter Last | Um 75 % reduziert (Wi-Fi Alliance) |
| Max. Kanal | 160 MHz | 160 MHz (gleich, Gewinn durch OFDMA) |
Theoretischer und realer Durchsatz: 3,5 vs 9,6 Gbit/s
Die Zahl "9,6 Gbit/s" von WiFi 6 wird für eine ideale Konfiguration berechnet: 8 räumliche Streams × 1024-QAM × 160-MHz-Kanal. In der Praxis setzt kein Consumer-Router die 8 Streams gleichzeitig ein. High-End-WiFi-6-Router erreichen 4 Streams (2 × 2,4 GHz + 2 × 5 GHz), also etwa 4–5 Gbit/s aggregierte Kapazität.
Wichtiger als der Spitzendurchsatz ist der reale Durchsatz pro Gerät unter Last. Bei WiFi 5 konkurrieren 10 verbundene Geräte um den Kanal per OFDM: Nur eines spricht zur Zeit, die anderen warten. Bei WiFi 6 ermöglicht OFDMA mehreren Geräten, gleichzeitig auf separaten Unterkanälen zu übertragen — der Durchsatz pro Gerät bleibt stabil, selbst wenn das Netzwerk ausgelastet ist.
Was Sie in der Praxis beobachten werden
In einem Netzwerk mit 5–10 leichten Geräten bringt WiFi 6 30–40 % mehr Durchsatz gegenüber WiFi 5. In einem Netzwerk mit 30+ Geräten (Großraumbüro, dichte Wohnung, Besprechungsraum) kann der Gewinn dank OFDMA 200–300 % erreichen — nicht weil WiFi 6 "schneller" ist, sondern weil es die Konkurrenz besser verwaltet.
OFDMA: die eigentliche Revolution von WiFi 6
OFDMA (Orthogonal Frequency Division Multiple Access) ist die wichtigste Änderung zwischen den beiden Generationen. Um zu verstehen, warum, rufen wir uns in Erinnerung, wie WiFi 5 funktioniert.
Bei WiFi 5 wird ein Funkkanal (z. B. 80 MHz) vollständig einem einzigen Gerät zur Zeit zugewiesen. Wenn Ihr Smartphone eine 2-KB-E-Mail sendet, monopolisiert es den Kanal für einige Millisekunden — während dieser Zeit warten Ihr Smart-TV, Ihre Lampen und Ihr Tablet. Je mehr Geräte vorhanden sind, desto länger wird die Warteschlange und desto stärker steigt die Latenz.
Bei WiFi 6 wird derselbe Kanal in Resource Units (RU) aufgeteilt — kleinere Unterkanäle. Der Access Point verteilt sie gleichzeitig an mehrere Geräte je nach deren Bedarf. Die 2-KB-E-Mail erhält eine kleine RU, der 4K-Videostream erhält eine große RU — alles geschieht parallel im selben Frame.
Das konkrete Ergebnis: Die durchschnittliche Latenz unter Last sinkt laut Wi-Fi Alliance um 75 %. In einem Büronetzwerk mit 50 aktiven Geräten entscheidet sich hier oft der Unterschied zwischen einer flüssigen Videokonferenz und Abbrüchen.
Verbessertes MU-MIMO: von 4 auf 8 Streams, inklusive Upload
MU-MIMO (Multi-User Multiple Input Multiple Output) gab es bereits bei WiFi 5 Wave 2 — aber nur im Download (DL) und auf 4 gleichzeitige Streams begrenzt. WiFi 6 erweitert es auf den Upload (UL) und verdoppelt die Kapazität auf 8 gleichzeitige Streams.
Konkret kann ein WiFi-6-Router gleichzeitig mit 8 verschiedenen Geräten in beide Richtungen kommunizieren. Das ist besonders nützlich für Videokonferenzen, Online-Gaming und Cloud-Backups — alles Situationen, in denen der Upload genauso kritisch ist wie der Download.
Elfcam-Ausrüstung für den Einsatz von WiFi 6
- WiFi 6 Mesh-Router AX3000 — 2,5-Gb-WAN-Port, ideal für Freebox Ultra und Orange Livebox 6
- WiFi 6 Outdoor-Access-Point AX3000 — IP67, PoE+-Stromversorgung, für Garten und schwierige Bereiche
- WiFi 6 Repeater AX3000 — Dualband 2,4/5 GHz, kompatibel mit allen Boxen
BSS Coloring und TWT: Interferenzen und Akkulaufzeit
Zwei für WiFi 6 spezifische Mechanismen bleiben oft unbemerkt, haben aber in dichten Umgebungen eine reale Wirkung.
BSS Coloring — Interferenzen zwischen benachbarten Netzwerken reduzieren
In Gebäuden oder Großraumbüros überlagern sich Dutzende von WiFi-Netzwerken auf denselben Kanälen. Bei WiFi 5 wartet ein Gerät, das ein Signal eines benachbarten Netzwerks erkennt, bevor es überträgt — selbst wenn dieses Signal nicht für es bestimmt ist. Das ist das Problem der Co-Channel Interference.
BSS Coloring fügt jedem Frame eine "Farbmarkierung" (eine Kennung) hinzu. Ein WiFi-6-Gerät, das einen anders gefärbten Frame als sein Netzwerk empfängt, ignoriert ihn und überträgt trotzdem. Ergebnis: weniger unnötiges Warten, bessere Nutzung des Kanals in Umgebungen mit hoher Netzwerkdichte.
TWT — Energieeinsparung für IoT-Geräte
TWT (Target Wake Time) ermöglicht es dem Access Point und den Geräten, präzise Aufwachfenster auszuhandeln. Eine vernetzte Lampe, die nur einmal pro Sekunde kommunizieren muss, kann zwischen den Austauschen im Tiefschlaf bleiben, anstatt den Kanal ständig zu überwachen.
Die Wirkung ist doppelt: spürbar verbesserte Akkulaufzeit der IoT-Geräte (laut Wi-Fi Alliance bis zu 7×) und eine Reduzierung der Anzahl gleichzeitig "aktiver" Geräte auf dem Kanal, was die Konkurrenz weiter entlastet.
WiFi 6E und das 6-GHz-Band: die logische Erweiterung
WiFi 6E ist eine Erweiterung von WiFi 6, die das 6-GHz-Band (5,925–7,125 GHz) hinzufügt, das in Frankreich seit 2021 auf bestimmten zertifizierten Geräten verfügbar ist. Dieses Band bietet bis zu 1200 MHz zusätzliches Spektrum — also 7 sich nicht überlappende 160-MHz-Kanäle, gegenüber 2 im 5-GHz-Band.
Das 6-GHz-Band ist derzeit kaum belegt: Wenige ältere Geräte nutzen es, keine Mikrowellen oder Bluetooth-Geräte in diesem Bereich. Es ist der ideale Raum für Anwendungen mit sehr niedriger Latenz: Gaming, VR/AR, 8K-Videostreams. Die Reichweite ist etwas geringer als beim 5-GHz-Band (stärkere Absorption), was es zu einer ergänzenden statt ersetzenden Technologie macht.
WiFi 6E auf 6 GHz ist, als ob man neben einer überlasteten Ringstraße eine neue leere Autobahn eröffnet. Die Geschwindigkeit ist nicht höher, aber der Verkehr fließt ohne Stau.
Und WiFi 7 (802.11be)?
WiFi 7 standardisiert die Multi-Link Operation (MLO) — ein Gerät kann gleichzeitig mehrere Bänder (2,4 + 5 + 6 GHz) nutzen, um die Durchsätze zu bündeln und bei Interferenzen automatisch umzuschalten. Theoretischer Durchsatz: 46 Gbit/s. Die bei Elfcam erhältliche WiFi 7 Intel BE200 Karte ist eine der ersten, die MLO auf dem PC unterstützt.
Lohnt sich der Umstieg auf WiFi 6 im Jahr 2026?
Die Antwort hängt von Ihrem Kontext ab, nicht von der Zahl auf der Verpackung.
Umstieg empfohlen, wenn: Sie mehr als 15 Geräte gleichzeitig verbunden haben, Ihr Netzwerk abends oder bei mehreren Nutzern langsamer wird, Sie eine große Anzahl von Kameras oder IoT-Sensoren einsetzen oder Sie in einem Gebäude mit vielen benachbarten Netzwerken auf denselben Kanälen wohnen.
Umstieg optional, wenn: Sie weniger als 10 Geräte haben, Ihre aktuelle WiFi-5-Box Sie zufriedenstellt und Ihre Internetverbindung auf 1 Gbit/s oder weniger begrenzt ist — in diesem Fall ist die Latenz Ihres Anbieters der Flaschenhals, lange bevor Ihr WiFi es ist.
Ein wichtiger Punkt: WiFi 6 ist abwärtskompatibel mit allen WiFi-4- und WiFi-5-Geräten. Sie müssen Ihre Endgeräte nicht ersetzen, um von einem WiFi-6-Router zu profitieren — die älteren Geräte funktionieren weiterhin, nutzen jedoch weder OFDMA noch TWT, solange sie 802.11ax nicht unterstützen.
Ergänzen Sie Ihr WiFi-6-Netzwerk
- Elfcam PoE-Switch — zur Stromversorgung Ihrer WiFi-6-Access-Points ohne dediziertes Netzkabel
- Glasfaser-Heimnetzwerk — Glasfaser-Backbone zur Verbindung Ihrer Access Points ohne Durchsatzverlust
- Leitfaden Mesh-WiFi vs. Repeater — welches System Sie wählen sollten, um das ganze Haus abzudecken




































