GPON vs. EPON: vollständiger Vergleich nach 5 Kriterien — Bandbreite, QoS, OAM, Kosten und Bereitstellung
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Wenn ein Betreiber oder Integrator eine FTTH-Bereitstellung plant, ist die Wahl zwischen GPON und EPON oft die erste strukturierende Entscheidung. Beide Technologien teilen dieselbe physische Architektur — ein zentraler OLT, ein passiver Splitter, ONUs bei den Teilnehmern — unterscheiden sich aber grundlegend in Protokoll, Bandbreite, Quality-of-Service-Management und Gerätekosten. Dieser Leitfaden vergleicht die beiden Standards anhand von 5 operativen Kriterien, um Ihnen je nach Kontext die richtige Wahl zu erleichtern.
GPON und EPON sind nicht austauschbar: Ein GPON-ONU kann sich nicht mit einem EPON-OLT verbinden und umgekehrt. Die Wahl des Standards bindet den gesamten aktiven Gerätepark.
Kontext — FTTH und die zwei PON-Standardfamilien
Passive optische Netze (PON) wurden parallel von zwei unterschiedlichen Normungsgremien entwickelt, was die Existenz zweier inkompatibler Familien erklärt:
- GPON (Gigabit Passive Optical Network) — normiert von der ITU-T (G.984), der internationalen Telekommunikationsorganisation. Dominant in Europa, Nordamerika und im Nahen Osten. Referenzstandard der französischen Betreiber (Orange, SFR, Bouygues, Free).
- EPON (Ethernet Passive Optical Network) — normiert vom IEEE (802.3ah), der auf Ethernet-Netzwerke spezialisierten Organisation. Dominant in Asien (China, Japan, Korea) und bei Unternehmensbereitstellungen.
Beide Standards nutzen dieselben optischen Wellenlängen (1490 nm Downstream, 1310 nm Upstream) und dieselbe passive physische Infrastruktur (Splitter, OS2-Kabel). Der Unterschied liegt vollständig in der aktiven Protokollschicht.
Kriterium 1 — Bandbreite und Übertragungskapazität
Dies ist das am häufigsten genannte Kriterium und dasjenige, bei dem GPON den klarsten Vorteil bietet.
GPON: Unterstützt mehrere Stufen asymmetrischer Bandbreite:
- Downstream: 2,488 Gbps (Standardmodus) oder 1,244 Gbps (Sparmodus)
- Upstream: 1,244 Gbps oder 622 Mbps je nach gewählter Stufe
- Die Asymmetrie ist konfigurierbar — nützlich für FTTH-Wohndienste, bei denen der Downstream-Verkehr (Streaming, Download) den Upstream deutlich übersteigt
- NRZ-Codierung — spektral effizienter als das 8B/10B von EPON
EPON: Feste symmetrische Bandbreite:
- Downstream und Upstream: 1,25 Gbps nominal, also 1 Gbps effektiv nach dem 8B/10B-Codierungsoverhead (20 % Effizienzverlust)
- 10G-EPON (IEEE 802.3av) erreicht 10 Gbps, erfordert aber Geräte der nächsten Generation
- Symmetrische Bandbreite — ein Vorteil für professionelle Anwendungen (intensiver Upload, Fernsicherung)
| Standard | Downstream-Bandbreite | Upstream-Bandbreite | Codierungseffizienz | Urteil |
|---|---|---|---|---|
| GPON | 2,488 Gbps | 1,244 Gbps | NRZ (~93 %) | ✓ Bester |
| EPON | 1,25 Gbps (→ 1 Gbps effektiv) | 1,25 Gbps (→ 1 Gbps effektiv) | 8B/10B (80 %) | — |
| 10G-EPON | 10 Gbps | 1 oder 10 Gbps | 64B/66B (~97 %) | Neue Generation |
Bandbreitenurteil: GPON überlegen. Die GPON-Downstream-Bandbreite (2,5 Gbps) ist doppelt so hoch wie die von EPON (1 Gbps effektiv). Für FTTH-Wohn- oder Triple-Play-Bereitstellungen ist dies ein entscheidender Vorteil.
Kriterium 2 — Splitter-Verhältnis und Reichweite
Das Splitter-Verhältnis bestimmt, wie viele Teilnehmer einen einzigen OLT-Port gemeinsam nutzen können — ein Schlüsselkriterium für die Infrastrukturkosten.
GPON: Unterstützt offiziell die Verhältnisse 1:32, 1:64 und 1:128. In der Praxis verwenden Betreiberbereitstellungen 1:32 oder 1:64, um eine zufriedenstellende Bandbreite pro Teilnehmer aufrechtzuerhalten. Maximal unterstützte Reichweite:
- 1:16 → max. Reichweite 20 km
- 1:32 → max. Reichweite 10 km (optisches Budget durch den Splitter reduziert)
- 1:64 → praktische Reichweite auf 5–7 km reduziert, je nach Klasse des optischen Moduls
EPON: Standardverhältnis 1:16 bis 1:32. Kann theoretisch 1:64 oder 1:128 erreichen, aber die Einfügedämpfung des Splitters (15–18 dB für ein 1:32) begrenzt die Reichweite und erfordert stärkere optische Module — und damit teurere. Die meisten EPON-Bereitstellungen bleiben bei 1:16, um die Leistung zu gewährleisten.
Verhältnisurteil: Gleichstand — beide Standards unterstützen in der Praxis ähnliche Verhältnisse, aber GPON bietet bei hohen Verhältnissen dank seines großzügigeren optischen Budgets eine bessere Leistung.
Kriterium 3 — QoS und Mehrdienste-Unterstützung
Die Quality of Service (QoS) ist einer der Bereiche, in denen GPON EPON am deutlichsten übertrifft, insbesondere bei Triple-Play-Bereitstellungen.
GPON — native und granulare QoS:
- T-CONT (Transmission Containers) — 5 T-CONT-Typen ermöglichen die Bandbreitenzuweisung mit strikten Garantien pro Dienst und pro Teilnehmer (fest, zugesichert, nicht zugesichert, Best-Effort)
- DBA (Dynamic Bandwidth Allocation) — dynamische Echtzeitanpassung entsprechend der tatsächlichen Last jedes Teilnehmers
- Native Mehrdienste-Unterstützung: Ethernet, TDM (Sprache), ATM und CATV (Kabelfernsehen über WDM bei 1550 nm) in einem einzigen GEM-Stream
- Vertraglich garantiert — Betreiber können sich auf genaue SLAs pro Teilnehmer verpflichten
EPON — hinzugefügte, nicht native QoS:
- EPON hat keine inhärente QoS-Fähigkeit auf MAC-Protokollebene
- Betreiber umgehen diese Lücke mit VLAN-Tags (802.1Q) und DiffServ-Mechanismen — dieser Ansatz ist jedoch komplexer in der Bereitstellung und Wartung
- Nur native Ethernet-Unterstützung — TDM und CATV erfordern zusätzliche Gateways
- Besser geeignet für rein IP-basierte Netze, in denen QoS auf höheren Schichten verwaltet wird
QoS-Urteil: GPON deutlich überlegen. Für jede Bereitstellung mit VoIP, TV oder garantierten SLAs ist GPON ohne Over-Engineering die einzige praktikable Wahl.
Kriterium 4 — OAM und Netzwerkmanagement
Das OAM (Operations, Administration and Maintenance) bestimmt die einfache Überwachung, Diagnose und Wartung des Netzes im Betrieb.
GPON — vollständiges und standardisiertes OAM: Drei separate OAM-Kanäle sind in das Protokoll integriert:
- PLOAM (Physical Layer OAM) — verwaltet die Datenverschlüsselung, die Statuserkennung der ONUs, die Fehlerüberwachung und die Fern-Aktivierung/Deaktivierung
- OMCI (ONU Management and Control Interface) — standardisiertes Protokoll (ITU-T G.988) zur Fernkonfiguration der ONUs: IP-, VoIP-, VLAN-, QoS-Parameter. Ermöglicht die Zero-Touch-Verwaltung eines ONU-Bestands.
- Eingebettetes OAM — Loopback, Verbindungsüberwachung, Echtzeit-Fehlerzähler
EPON — minimales und proprietäres OAM:
- Der Standard IEEE 802.3ah definiert ein optionales und begrenztes OAM-Set: Ferndefekt-Anzeige, Loopback, Verbindungsüberwachung
- Kein standardisiertes Äquivalent zu OMCI — die Verwaltung der ONUs beruht auf proprietären Protokollen (TR-069, SNMP), die je nach Hersteller variieren
- Die OAM-Interoperabilität zwischen OLT und ONUs verschiedener Marken ist weniger garantiert als bei GPON
OAM-Urteil: GPON überlegen. Das standardisierte OMCI von GPON ermöglicht ein Zero-Touch-Management und eine Multi-Vendor-Interoperabilität, die EPON nativ nicht erreichen kann.
Kriterium 5 — Gesamtkosten der Bereitstellung
Dies ist der Hauptvorteil von EPON — und der Hauptgrund für seine Beständigkeit auf dem Markt trotz der gegenüber GPON unterlegenen Leistung.
Kosten der aktiven Geräte:
- GPON-OLT — GPON-Chipsätze verwenden historisch FPGAs (Field Programmable Gate Array), die teurer in der Produktion sind als ASICs. Die Kosten pro OLT-Port sind höher als bei EPON.
- EPON-OLT — basiert auf standardisierten MAC-Layer-ASICs, die günstiger herzustellen sind. Preis pro OLT-Port je nach Reihe 15 bis 30 % niedriger.
- Optische Module — EPON-Transceiver (1,25G) sind günstiger als GPON-Module (2,5G), da sie in größeren Stückzahlen in Asien hergestellt werden.
- ONUs/ONTs — ähnliche Preise für Einstiegsmodelle (1GE), leichter Unterschied zugunsten von EPON bei Multiport-Modellen.
Kosten der passiven Infrastruktur: identisch — OS2-Kabel, Splitter, Spleißboxen und Ziehkammern sind für GPON und EPON streng dieselben.
Betriebskosten: Mittelfristig reduziert das bessere OAM-Management von GPON (Zero-Touch-OMCI) die Vor-Ort-Einsatzkosten und kompensiert damit teilweise die anfänglichen Mehrkosten der Geräte.
Kosten-Urteil: EPON günstiger bei der Installation, aber GPON wirtschaftlicher über den gesamten Lebenszyklus dank seiner OAM-Fähigkeiten, die Einsätze reduzieren.
Welchen Standard für Ihre Bereitstellung wählen?
Die Entscheidung hängt von drei Hauptfaktoren ab:
- Wählen Sie GPON, wenn: Sie in Frankreich oder Europa bereitstellen (vorhandene GPON-Infrastruktur), Sie Triple-Play benötigen (Sprache + Daten + TV), Sie garantierte SLAs pro Teilnehmer wünschen oder Sie einen großen ONU-Bestand fernverwalten.
- Wählen Sie EPON, wenn: Sie sich mit einer vorhandenen EPON-Infrastruktur verbinden (Asien, einige Unternehmensbetreiber), Ihr Netz rein IP-basiert ohne TDM/CATV-Dienste ist oder Ihr Anfangsbudget die Hauptbeschränkung darstellt.
- Wählen Sie xPON, wenn: Sie in einer gemischten GPON/EPON-Umgebung bereitstellen oder eine zukünftige Migration erwarten — ein xPON-ONU funktioniert ohne Austausch mit beiden OLT-Typen. Mehr erfahren über xPON →
Kurze Zusammenfassung
In Frankreich ist GPON der De-facto-Standard für FTTH-Bereitstellungen. Wenn Sie Geräte an eine französische Betreiberinfrastruktur (Orange, SFR, Bouygues, Free) anschließen, sind Sie auf GPON. EPON bleibt relevant für unabhängige Unternehmensnetze und Installationen in Asien.






























